LUX Das Seminar für Lichtgestaltung
Artikel zum Seminar N°1 in Wien 2004
»Der Schlüssel ist das Licht. Und das Licht erhellt Formen und diese Formen haben die Kraft und Gewalt zu erregen — durch das Spiel der Proportionen, durch das Spiel der Beziehungen.«
Le Corbusier
Nach dem Vorbild der Broadway Lighting Master Classes in New York veranstaltete Heinz Kasper in den Museumsräumlichkeiten des Wiener WUK ein 3-tägies Seminar zum Thema Lichtgestaltung. Um auf die Wünsche und Fragen optimal eingehen zu können, war deren Teilnehmerzahl auf 12 begrenzt. Die Österreicher, Deutschen und sogar ein Schweizer, arbeiten unter anderem als Technischer Leiter, Beleuchtungschef, Veranstaltungstechniker oder Lichtdesigner. Diese Veranstaltung will dazu beizutragen den Beruf des Lichtgestalters, der in unseren Breiten immer noch nicht die notwendige Anerkennung findet, ins rechte Licht zu rücken. Darüber hinaus wurde eine Plattform geschaffen über die weiterhin Informationen und Anregungen ausgetauscht werden. Das Kernthema ist die Schaffung eines Bewusstseins für die Bedeutung und Einsatzmöglichkeiten der Lichtgestaltung.
Freitag 3. 12. 04
Nach einer kurzen Einführung und Vorstellungsrunde erläuterte der Veranstalter, Heinz Kasper den Beruf und Aufgabenbereich des Lichtgestalters. Er zeigte anhand einiger Beispiele aus der Malerei, die Wirkung die sich mit Licht aufzeigen lässt: »Malen mit Licht«, und stellte die kontrollierbaren Eigenschaften der Bühnenbeleuchtung sowie die Funktionen des Lichts vor.
Da der künstlerische Aspekt des Lichtdesigns erst dann zum Tragen kommt, wenn zuvor die »Hausaufgaben«, wie das Erstellen eines verständlichen Lichtplans, gemacht wurden befasste sich Christian Allabauer — Lighting Innovation — mit den Möglichkeiten der computer-unterstützten Vorbereitung anhand von WYSIWYG. Nebst dem Erstellen der Planung wurden auch die Themen Präsentation des Lichtdesign, Nutzen der Bibliotheken und Vorprogrammieren einer Veranstaltung behandelt. Nach dieser Einführung hatten die Teilnehmer Gelegenheit selbst eine Zeichnung zu erstellen.
Um die Teilnehmer auch mit den neustem Entwicklungen der »Handwerkzeuge« vertraut zu machen präsentierte Hermann Sorger — Lighting Innovation — im Show Room unter anderem den leistungsstarken Niedervolt-Parbolscheinwerfer Superbeam 80V/1200W und den kompakte Verfolger aus der Inno Four Reihe. Der annähernd geräuschlose und daher für Theateranwendungen besonders geeignete MotorYoke2 wurde ebenfalls gezeigt. Ferngesteuert wurde damit z.B. der ETC MultiPAR der auch über das Farbmischsystem Colorfusion verfügt. Damit können mit 400 Farben durch 2 hintereinanderliegende Rollensysteme kontinuierliche Übergänge geschaffen werden. Auch der Inno Four Effektprojektor beeindruckte durch seine Helligkeit und den realistischen Feuer- und Wolkeneffekt. Aus der ETC Familie wurden sowohl der bühnengerecht motorisiert Source Four Revolution als auch die IES Sinuswellen-Dimmer gezeigt. Diese verursachen keine Oberwellen — und damit erhöhte Energiekosten — sowie keine Störungen in anderen Gewerken.
Am Abend wurde dem Akademietheater ein Besuch abgestattet. Nach Gesprächen mit dem Technischen Leiter — Ing. Johann Bugnar —, dem Beleuchtungsmeister — Andreas Jellinek — und dem Dramaturgen — Jochen Lux — wohnten die Teilnehmer der Aufführung von Gerd Jonkes »Chorphantasien« bei.
Samstag 4. 12. 04
Am zweiten Tag führte Martemaria Scheunemann — Bayrische Theaterakademie, München — in die Grundlagen der Lichtgestaltung ein. Dazu verwendete Sie anschauliche Übungen bei denen Sie den Schwerpunkt nicht auf die Technik, sondern auf den Charakter und das Gestaltungselemente des Lichtdesigns legte. Den krönenden Abschluss bildete die Erarbeitung eines Konzepts für Regie, Bühnenbild und Lichtgestaltung für das Stück »Warten auf Godot«. Jeder Teilnehmer präsentierte sein Konzept und es wurden gemeinsam Verbesserungen erarbeitet.
Am Nachmittag standen die Farben im Mittelpunkt des Geschehens. Lukas Kaltenbäck — LTK — zeigte sowohl die historische Entwicklung als auch den gegenwärtigen Einsatz anhand der Rosco-Filter auf. Nach einer Einführung in die Farblehre beleuchtete er seine bunt gekleidete Musterpuppe um damit zu zeigen wie die farbliche Wirkung von Kostümen und Dekoration durch die Verwendung von Filtern verändert werden kann.
Sonntag 5. 12. 04
Unter dem Motto »Lichträume« lenkte Andrew Holmes — Belzner-Holmes, Berlin — den Fokus auf die Lichtgestaltung im Architektur und Außenbereich. Auch hier finden die Grundlagen der Theaterbeleuchtung Anwendung. Der »Zuschauer« betritt allerdings selbst den beleuchteten Bereich. Anhand einer umfangreichen Videopräsentation führte er vor Augen was in vielen Bereich falsch gemacht wird. Er zeigte aber auch Lösungen anhand seiner verwirklichten Projekte auf. Hier war am deutlichsten zu erkennen, dass Lichtdesign mehr ist als eine gleichmäßige ausgeleuchtete Fläche.
Den Schlusspunkt setzte Chris Laska — Lichtdesigner — der Designs für u.a. Falco, die EAV oder die Linzer Klangwolke erstellt hat. Er holte bis in die frühe Menschheitsgeschichte aus um die Funktionsweise des menschlichen Sehens und die daraus resultierenden Grundsätze für die Lichtgestaltung zu erklären. Danach zeigt er, anhand einer Tournee-Bühne für den Auftritt eines Interpreten mit Band, die nötigen Schritte, von Null bis zum fertigen Ablauf der Lichtbilder. Parallel dazu wurde die Daten mit Emphasis — einem ETC Pult mit voll integrierter WYSIWYG Steuerung — erfasst und das Licht in Bewegung versetzt.
Die Teilnehmer waren von der angebotenen Vielfalt und der Qualität der Vorträge begeistert. Daher ist geplant das Lichtseminar im Jahres-Rhythmus fortzusetzen. Dabei sollen die Themen variiert werden. So wird z.B. der nächste Themenschwerpunkt Projektion lauten. Nähere Informationen finden Sie unter www.lux-lichtseminar.net
Quelle: Artikel ÖTHG 2005